Heizkosten-Abzocke in Moabit: Mieter*innen und Linke Hilft schmieden gemeinsamen Plan gegen Nachforderungen
Rund 60 Mieter*innen aus der Lehrter Straße kamen letzte Woche zu einer spontan organisierten Versammlung, nachdem bei vielen Haushalten unerklärlich hohe Heizkostennachzahlungen von bis zu 3.000 Euro eingetroffen waren. Eingeladen hatte die AG Die Linke hilft der BO Moabit-Tiergarten - per Mund-zu-Mund-Propaganda und mit Aushängen in den Häusern. Dem vorausgegangen waren Besuche von betroffenen Mieter*innen in der Sozialberatung der AG Die Linke Hilft, woraufhin die Initiative für die Nachbarschaftsversammlung ergriffen wurde.
Entschlossen, sich nicht einschüchtern zu lassen
Die Versammlung fand in den Räumen der Kulturfabrik Moabit statt, die selbst Mieterin der "Gesellschaft für StadtEntwicklung gemeinnützige GmbH" (GSE) ist und sofort Unterstützung zugesagt hatte. Das zeigte sich auch an diesem Abend: Der Raum füllte sich schnell, die Stühle reichten kaum aus, und die Stimmung lag irgendwo zwischen Empörung, Fassungslosigkeit und der Entschlossenheit, sich nicht einschüchtern zu lassen.
In der Runde wurde rasch deutlich, dass die dramatischen Nachforderungen kein Einzelfall sind. Viele berichteten von identischen Schreiben, unangekündigten Abrechnungsmodellen, fehlenden Erläuterungen und einer insgesamt mangelhaften Kommunikation der Hausverwaltung. Einige schilderten weitere Missstände in den Häusern - mangelnde Instandhaltung, bis hin zu fehlender Transparenz über die tatsächlichen Energiekosten der Gebäude.
„Der Verbrauch war bei uns sogar niedriger als im Vorjahr, trotzdem sollen wir Tausende Euro nachzahlen. Das ist einfach nicht realistisch.“
Juristische Unterstützung und klare Strategie
Für die rechtliche Einordnung war Antonio Leonhardt, Rechtsanwalt und Mitglied der Linken und Bezirksverordneter aus Lichtenberg, zu Gast. Dort organisiert er gemeinsam mit der Parteivorsitzenden Ines Schwerdtner die regelmäßige Rechtsberatung der Linken und freute sich, nun auch in Moabit unterstützen zu können.
„Bevor hier irgendjemand auch nur einen Cent zahlt, muss die GSE nachweisen, wie sie auf diese Summen kommt.“
Gemeinsam wurde erarbeitet, wie Widersprüche formuliert werden können und welche Auskünfte die GSE rechtlich liefern muss. Die AG Die Linke hilft Moabit sammelt nun Fälle, und bleibt erste Anlaufstelle für weitere Betroffene. Gleichzeitig entstand vor Ort eine WhatsApp-Gruppe sowie ein E-Mail-Verteiler, um als Hausgemeinschaft und Nachbarschaft dauerhaft in Kontakt zu bleiben.
Zynisches Weihnachtsgeschenk an ausgewählte Politiker*innen
Für zusätzlichen Unmut sorgte ein Detail, das fast zu absurd wirkt, um wahr zu sein: Während Hunderte Mieterinnen in Sorge sind, verschickte die GSE, eine angeblich gemeinnützige Treuhänderin des Landes Berlin, zu Weihnachten ein „Treuhandquartett“ an ausgewählte Politiker*innen – darunter ein Mitglied des Abgeordnetenhauses. In diesem Spiel vergibt die GSE ihren eigenen Häusern in der Lehrter Straße einen lächerlichen „Gemeinwohlfaktor 2 von 5 Punkten“. In der Runde wurde der Kopf geschüttelt - erst ungläubig, dann wütend.

Gemeinsam gegen die Heizkosten-Abzocke
Trotz aller Empörung war die Botschaft der Versammlung klar: Die Nachbarschaft lässt sich das nicht bieten. Und tatsächlich: Die Versammlung zeigte, was möglich ist, wenn Nachbar*innen sich zusammentun, Informationen teilen und gemeinsam Druck aufbauen.
Die nächsten Schritte sind bereits geplant: Sammlung aller Fälle, rechtliche Prüfung, gebündelte Widersprüche - und wenn nötig, weitere Aktionen.
In Moabit bewegt sich was.
Und die GSE wird erklären müssen, wie sie auf ihre absurden Forderungen kommt.
Wir unterstützen u.a. in allen Fragen rund um Mieten und Wohnen, Arbeitsplatz oder Rentenbescheid, als auch der Beantragung von Sozialleistungen.
Kein Problem ist zu klein - und keines zu groß.



Artikel wurde am 29. Sep. 2026 gedruckt. Die aktuelle Version gibt es unter https://stella-merendino.de/blog/heizkosten-abzocke-in-moabit-mieter-innen-und-linke-hilft-schmieden-gemeinsamen-plan-gegen-nachforderungen/.
