Hände weg von der Habersaathstraße! Schlägertrupp verwüstet bezahlbaren Wohnraum
Am Donnerstag, den 22.1.26, zerstörte ein Schlägertrupp Wohnungen in der Habersaathstr. 44–48. Gegen 13 Uhr waren ca. 10 Männer in die Häuser gekommen, brachen gewaltsam Türen auf und verwüsteten die Bäder in rund drei Dutzend Wohnungen. Die Lage der Habersaathstraße 44–48 ist schon seit einigen Jahren Thema in Mitte. Das ehemalige Schwesternwohnheim der Charité stand zu großen Teilen leer, 2021/22 zogen dort ca. 50 obdachlose Menschen ein, unterstützt durch die Initiative „Leerstand-Hab-ich-Saath“. Einige der ehemals obdachlosen Menschen leben heute noch in den Häusern, neben fünf Langzeitmieter:innen. Im August 2024 genehmigte das Bezirksamt Mitte den Abriss der Gebäude, eine für uns nicht nachvollziehbare Vorgehensweise, da es sich hier um bezahlbaren Wohnraum handelt. Abreißen kann die Eigentümerin Arcadia Estate GmbH, Dr. Andreas Pichotta und Hauke Drengenberg aber nicht, solange dort Mieter:innen mit gültigen Mietverträgen leben. Wie die Gerichte immer wieder urteilen, wohnen diese dort rechtmäßig. Auch über den Verbleib einiger ehemals obdachlosen Menschen gibt es laufende Gerichtsverfahren. Das schützt sie vor einer Räumung. Andere wurden im Oktober letzten Jahres geräumt. Eine Sicherheitsfirma drang wenige Tage später auch in das andere Haus ein, klopfte bei Bewohner:innen an die Tür mit der Behauptung, dass sie die Polizei seien. Im November wurden den beiden Häusern die Fernwärme abgestellt, Warmwasser und Strom gibt es dort seit Anfang Oktober 2025 nicht mehr, die entsprechenden Stromzähler wurden entfernt. Vorübergehend wurde sogar das Trinkwasser abgestellt. Allein die Langzeitmieter:innen haben bis heute eine Ersatzheizung bekommen.
Letzten Donnerstagmittag eskalierte die Situation dann auf ein bisher nicht gekanntes Ausmaß. Eine Wahlkreismitarbeiterin der Linken hat sich vor Ort selbst ein Bild von der Lage machen können. Im Haus Nr. 44 sind auf allen Etagen Türen brutal aufgebrochen, Kloschüsseln und Waschbecken zerstört worden. Davon betroffen sind offenbar auch Wohnungen, die vom angrenzenden Hotel angemietet werden. Insgesamt handelt es sich um circa drei Dutzend Wohnungen, deren Bäder zerstört worden sind. Es scheint so, als seien vorsätzlich Eckventile und die Unterverteilung der Druckwasserleitung abgehauen worden. In Folge dieser Zerstörungswelle haben auch die Langzeitmieter:innen kein Trinkwasser mehr, sodass die Toiletten nicht mehr benutzt werden können.
Unsere Mitarbeiterin konnte auch mit mehreren Hausbewohner:innen reden. Ein Hausbewohner, der sich in seiner Wohnung befand, als der Schlägertrupp eindrang, stand sichtlich unter Schock und konnte nur im Flüsterton reden. Ein anderer setzte einen Hilferuf an unsere BVV-Fraktion ab und versteckte sich aus Angst vor den gewalttätigen Männern. Die Polizei rückte nach einem Notruf an, schritt allerdings nicht ein. Stattdessen lief die Polizei Stunden später mit ca. acht Personen durch das Haus und hämmerte gegen die unbeschädigten Türen, um nach eigenen Angaben eine Liste mit den verbliebenen Hausbewohner:innen zu erstellen. Zusätzlich wurde der Bewohner, der den Notruf getätigt hatte, nach eigenen Angaben von der Polizei beschuldigt, Falschalarm gegeben zu haben.

Unsere Mitarbeiterin wurde durch mehrere Securitys des Eigentümers daran gehindert, sich auch die Zustände im Haus Nr. 48 anzusehen. Auch einem Fernsehteam des RBB hat man den Zugang verweigert sowie einer Bewohnerin des Hauses. Der Schlägertrupp hat auch hier mehrere Wohnungen aufgebrochen und Bäder zerstört. Aufgrund der Zerstörung lief Wasser durch das ganze Haus. Die Abrissgenehmigung des Hauses wurde vor Weihnachten unverständlicherweise vom Bezirksamt Mitte verlängert. Da die Mieter:innen vor Gericht immer wieder Recht bekommen, liegt die Vermutung nahe, dass der Eigentümer Pichotta das Haus unbewohnbar machen will, um die verbliebenen Mieter:innen zum Auszug zu zwingen und so abreißen zu können.
Nach Angaben eines Bewohners hat Eigentümer Pichotta vor der Aktion bereits Bezirksbürgermeisterin Remlinger (Grüne) und Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung Gothe (SPD) von seinem Vorhaben unterrichtet. Am Abend unterrichtete Stadtrat Gothe die Bezirksverordnetenversammlung Mitte (BVV) von den Vorkommnissen und spielte die ganze Situation als „nichts Schlimmes“ herunter. Die Linksfraktion beantragte eine Thematische Stunde zur Situation in der Habersaathstraße, die anderen Fraktionen sahen die Notwendigkeit offenbar nicht und wollten lieber über ein anderes Thema reden.
Unsere Bundestagsabgeordnete für Mitte, Stella Merendino, sagt zur brutalen Zerstörung der Wohnungen in der Habersaathstraße:
„Wenn Wohnungen mit roher Gewalt zerstört werden und die Polizei zuschaut, dann ist das ein Skandal. Schlägertrupps haben in unseren Kiezen nichts verloren. Die Habersaathstraße gehört den Menschen, die dort wohnen.“
Wir als Linke sind im engen Austausch mit den Bewohner:innen der Habersaathstraße und werden uns auch weiterhin gegen den Abriss, für eine Instandsetzung der zerstörten Wohnungen und die Aufklärung dieser unglaublichen Ereignisse vom letzten Donnerstag einsetzen.

Artikel wurde am 29. Sep. 2026 gedruckt. Die aktuelle Version gibt es unter https://stella-merendino.de/blog/hande-weg-von-der-habersaathstrasse-schlagertrupp-verwustet-bezahlbaren-wohnraum/.